ADHS - homöopathische Falldokumentation
Autorin: Renate Krause
Heilpraktikerin/Klassische Homöopathie
Frühlingstr. 29, 82178 Puchheim
Tel. 089/8003042
ADHS mit Zerstörungszwang
Ilona*, 8 ½ Jahre
wurde mir
im Januar 2006 von Ihren Eltern vorgestellt. Die Erstanamnese ergab:
„Ilona
war bereits als Baby sehr unruhig, wenn sie nicht geschlafen hat, war sie ruhelos
und unzufrieden, sie lehnte Nähe und Körperkontakt ab und wollte immer bewegt
werden. Auffallend war ein häufiger und langer Schlaf. Ab dem Alter von 4-5
Jahre ließ sie mehr Körperkontakt zu. Die Schwangerschaft war ungeplant aber
weitgehend harmonisch und stressfrei. Die Geburt erfolgte durch Kaiserschnitt, da
die Herztöne schlechter wurden. Die Mutter konnte wegen den Nachwirkungen des
Kaiserschnittes nicht stillen. Ilona hat noch eine jüngere Schwester. Die
ersten 6 Lebenswochen verliefen problemlos. Bei der U2, mit 6 Wochen, erfolgte die erste Impfung (Polio, MMR, Tetanus,
Diphterie). Weitere Entwicklung: Krabbeln mit 6 Monaten, Zahnung ab 5. Monat,
Laufen: 12 Monate, alle Zähne mit 1 Jahr.
Verhalten seit frühester Kindheit:
Ilona hat
schon immer einen sehr starken Willen, sie macht viel kaputt, ist sehr wild,
sie beschmiert sich gerne mit Essen, beschmiert auch die Umgebung. Sie hat
einen starken Bewegungsdrang, so wurde z.B. von ihr der Laufstall demoliert,
wenn es ihr nicht gelang rauszuklettern. Oft verletzt sie sich und fällt
schnell hin oder irgendwo runter. Sie ist unausgeglichen und mit allem
unzufrieden. Neue Eindrücke bessern kurzzeitig ihre Laune. Ilona schreit und
brüllt, wenn sie ihren Kopf nicht durchsetzen kann. Unter Klassenkameraden ist
sie allerdings beliebt, sie steht gerne im Mittelpunkt, und ist sehr
kommunikativ. Wenn sie „bockt“ benutzt sie üble Ausdrücke, weint schnell, legt
sich vor Zorn auf den Boden, strampelt, schreit und tobt. Wenn man sie nicht
zurückhält schlägt sie etwas zusammen. In der Schule verhält sie sich auch sehr
extrem, ständig richtet sie Unordnung/Chaos an, zerstört Dinge, weigert sich,
Hausaufgaben zu machen, verschlampt alle Schulsachen. Sie ist sehr
unkoordiniert, provoziert und schlägt bisweilen auch die Lehrerin. Beim
Arbeiten macht sie viele
Leichtsinnsfehler, vergisst Gelerntes schnell wieder, ist geistig abwesend.
Gerne lügt sie, wenn es unangenehm wird, oder läuft ganz einfach auf und davon.
Zuhause manscht sie mit Mutters Kosmetika, verbraucht z.B. 5 Rollen Tesa-Film auf einmal, und schneidet sich z.B. mit der Schere selbst die Haare ab. Wenn Sie
eine Schere in die Finger bekommt, schneidet sie überall Löcher rein, in
Tischdecken, Leintücher usw. Es ist wie ein Zwang. Kurz und gut: die
finanziellen Schäden, die Ilona bislang verursachte, sind inzwischen untragbar.
Die Eltern bezeichnen ihre Tochter als „unberechenbar“. Es wurde angeraten Ritalin einzunehmen. Positive Eigenschaften: sie liebt
Tiere (Pferde), malt wunderschöne Bilder und kann dabei allerdings lange ruhig
sitzen.
Ängste:
Vor
Geistern, sie braucht Licht zum Schlafen.
Schlimmstes Erlebnis:
sie ist vor 1 Jahr beinahe in ein Auto gelaufen, Schock.
Familienkrankheiten:
Jähzorn/Impulsivität,
Diabetes, TBC, Krebs.
Körperlich:
Ilona ist
selten akut krank, sie hatte bislang 2-3 x einen grippalen Infekt, zum
Zeitpunkt der Anamnese besteht ein Husten, vor 3 Tagen hatte sie leichtes
Fieber, Die einzige Schwachstelle ist der Magen: Erbrechen 1-2x jährlich (ca. 1 Tag lang),
Bauchschmerzen nach Überessen.
Temperatur:
Kälte unempfindlich, sie schwitzt leicht an Kopf und Rücken im Schlaf
Essensmodalitäten:
Verlangen:
Äpfel, Milch, Hühnchen, Schokolade, Eis/Zitrone,
sonst unauffällig.
Abneigungen/Unverträglichkeiten:
-
Durst:
extrem
groß auf kaltes Wasser
Analyse (Repertorium
Synthesis 9.1, RADAR):
Symptome:
Gemüt –
Destruktivität, Zerstörungswut, zerschneidet Kleider
Gemüt –
Destruktivität, Zerstörungswut – Kindern, bei
Gemüt –
Zerbricht Dinge
Gemüt –
Lügner
Gemüt –
Ungehorsam – Kindern, bei
Gemüt –
Verhaltensstörungen – Kindern; bei
Gemüt –
Impulse, Triebe; krankhafte – laufen, zu
Gemüt –
Konzentration, schwierig
Allgemeines
– Speisen und Getränke – Milch – Verlangen
Allgemeines
– Speisen und Getränke – saure Speisen, Säuren
Magen –
Durst – große Mengen, auf
Kopf –
Schweiß der Kopfhaut – Schlaf, im
Arzneimittelverordnung:
Einzelmittel: Veratrum album C1000, Fa. Homoeoden
Anruf der Mutter 6 Wochen nach
Mitteleinnahme:
„Seit der
Arzneimitteleinnahme ca. 70% besser (Verhalten). Dies hielt einige Wochen an,
die Wutausbrüche sind weg, sie ist ruhiger in ihren Bewegungen, fällt nicht
mehr so oft hin, insgesamt koordinierter.
Seit kurzem in Schule wieder extrem, frech zur Lehrerin.
Was ist
vorgefallen? Sie hatte eine Mundwinkelrhagade, der Apotheker empfahl eine Antibiotikasalbe. Ergebnis: die Rhagade
heilte schnell ab, aber das Verhalten veränderte sich schlagartig ins Negative
(! = Unterdrückung von Hautausschlägen).
2. Gabe: Veratrum
album C1000
4 Wochen
später: „seit 3 Wochen wieder viel viel besser, die Haut ist wieder wunderbar, Ilona kriegt
nun fettige Haare, sie ist insgesamt viel ruhiger, hört auch zu, wenn man ihr etwas
sagt, bewegt sich insgesamt geschickter, hatte 1x Halsschmerzen, die
unbehandelt von alleine vergingen (abwarten, keine Arznei)
Weiterer Verlauf:
3 Monate
später: „sie hatte eine kleine
Erkältung, die von alleine verging, es geht ihr insgesamt sehr gut, das
Verhalten ist gut geblieben, sie schreibt Einsen“.
Neues
Symptom: muffiger Geruch der Haare.
Beurteilung:
Die
Einnahme von Ritalin steht nicht mehr zur Debatte. Das
homöopathische Arzneimittel wird erfahrungsgemäß noch einige Male in großen
Abständen benötigt.
Wichtig:
Eine
homöopathische Behandlung (vor allem mit Verabreichung von Hochpotenzen) sollte
ausschließlich durch gut ausgebildete,
homöopathische Therapeuten erfolgen. Vor Selbstbehandlung wird
eindringlich gewarnt.
*Name der Patientin wurde geändert,
das Einverständnis der Eltern zur Veröffentlichung liegt vor.