Ruhelos, reizbar, eifersüchtig,

impulsiv, wütend, provokant …

Im Alter von 6 Jahren erschien Verena 2006 in Begleitung ihrer Mutter zur

Erstanamnese.

Im Vorfeld wurde ich telefonisch von der Mutter über die aktuelle Problematik unterrichtet, weil sie nicht wollte, dass „gewisse Themen“ in Gegenwart ihrer Tochter besprochen werden. Verena ist das erste Kind der Familie. Sie hat noch einen jüngeren Bruder. Sie kam mit 12-tägiger Verspätung zur Welt, es mussten Wehen auslösende Mittel verabreicht werden. Sie war von Anfang an ein Problemkind, hat viel geschrien, wenig geschlafen und hatte oft Blähungen. Ihre Stimmung war stets „grantig“ und von Anfang an fiel eine starke Unruhe bei ihr auf. Verena ist ein ehrgeiziges Kind. Sie braucht einen festen Rhythmus, sonst „läuft alles aus dem Ruder“. Sie langweilt sich schnell, es muss sich immer was bewegen. Eine unruhige Familiensituation (Hausbau) und Konflikte mit den Großeltern haben die Problematik der ersten Lebensjahre vermutlich noch verstärkt. Verena`s Verhalten belastet

die ganze Familie. „Wenn es so weitergeht, müssen wir Ritalin® geben, es ist sonst nicht mehr auszuhalten“, erklärt ihre Mutter. Verena ist sehr eifersüchtig auf ihren kleinen Bruder, den sie ständig piesackt. Sie ist immer in Bewegung. „Wie getrieben“ will sie ständig irgendwo hin, ist aber schnell k.o. und wird dann reizbar. Auch bei der Verfolgung ihrer Wünsche und Ziele ist sie sehr hartnäckig. Die Mutter erzählt: „Alles ist ein ständiger Kampf“. Verena wehrt sich gegen alle Verpflichtungen (Anziehen, Aufräumen) mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Sie ist ein extremes Kind. Im Kindergarten und später in der Schule ist sie zeitweise sehr brav, eckt aber durch ihr Verhalten oftmals an und provoziert ihre Umgebung. Zu Hause ist es ständig schlimm. Körperlich neigt Verena zu ständig wiederkehrenden Streptokokken-Infektionen mit Halsschmerzen, die wiederholt mit Antibiotika behandelt wurden. Es besteht auch eine Neigung zu Mittelohrentzündungen mit Paukenerguss. Sie bekommt schnell  Augenringe, wenn sie müde ist. Die als Kleinkind durchgemachten Windpocken wurden als „schwach ausgeprägt“ beschrieben. Wegen einer Blasenentzündung wurde sie schon einmal mit Cantharis homöopathisch behandelt.

An Impfungen hat sie erhalten: 5fach + Hepatitis B, HIB, MMR. Weiter wird eine Neigung zu Hautausschlägen

in den Armbeugen – links stärker als rechts – ohne Juckreiz beschrieben. Die Entwicklung verlief altersgemäß. Verena hat Angst vor Gespenstern, sie braucht ein kleines Licht in der Nacht. Der Schlaf ist unruhig, besonders

wenn sie tagsüber viel erlebt hat. Sie ist dann oft überdreht. Sie ist gut organisiert, geht nachts alleine auf die Toilette, war nie besonders anhänglich und ist sehr selbstständig. Ihre Stimmung ist besonders nach einem

langen Kindergartentag und auch morgens meist „mies“. Sie hat ein gutes Gespür für die Schwachstellen ihrer Mitmenschen und nutzt diese gezielt aus. In der Familie will sie immer der „Bestimmer“ sein und kommandiert ihre Mutter herum. Oft ist sie albern und lacht verlegen oder schadenfroh. Die Mutter beschreibt außerdem ein starkes Nägelkauen, das sich unter Anspannung verstärkt. Während die Mutter weiter berichtet, provoziert mich Verena mit äußerst frechen und herausfordernden Blicken und erzwingt meine Aufmerksamkeit, indem sie  meinen Schreibtisch mit Buntstiften bemalt.

 

Wenn sie etwas nicht gleich kann, gibt Verena schnell auf, ist traurig und schnell gefrustet. Sie will sich auch niemandem unterordnen und hasst alle äußeren Zwänge. Allgemein ist sie sehr hitzig, duscht aber gerne heiß,

deckt sich nachts häufi g auf und zu und läuft gerne barfuß.

 

Die erste verordnete Arznei wirkte nur oberflächlich und kurz anhaltend. Verena war danach zuerst etwas friedlicher und bekam eine leichte Erkältung. Danach  verstärkte sich aber die Unruhe und schlechte Stimmung wieder. In der Zwischenzeit erfolgte die Einschulung. Es wurde rasch die   Diagnose Legasthenie und ADHS gestellt. Wegen der starken Impulsivität, der Eifersucht und der Modalitäten bei einer akut aufgetretenen Halsentzündung entschied ich mich bei der Folgekonsultation für die Verordnung von Lachesis C 30. Als Reaktion auf diese Arzneigabe verstärkte sich zunächst der Hautausschlag, der auch zu jucken anfing, das Verhalten wurde aber besser. Vier Monate später bekam Verena eine eitrige Bindehautentzündung mit Augenjucken und Tränen, ebenso Halsschmerzen mit Fieber, sie war müde und schlapp. Da sich der Seitenbezug geändert hat, wurde ein anderes Arzneimittel verordnet. Zwei Monate später bekam Verena eine Magen-/Darm-Infektion, die ohne Behandlung verging. Weitere vier Wochen später traten Ohrenschmerzen auf

der linken Seite auf. Lachesis C 30 wurde wiederholt. Es stellte sich heraus, dass das linke Ohr mit ganz viel Ohrenschmalz verstopft war, was die Schmerzen verursacht hat. Nach mechanischer Entfernung durch

den HNO-Arzt waren die Beschwerden weg. Im Laufe der nächsten Monate verstärkte sich die Unruhe wieder und auch das Nägelkauen wurde schlimmer. Dann traten erneut Windpocken auf. Auch dieses Mal wurde

Lachesis C 30 wiederholt, worauf die Stimmung deutlich besser wurde und die Windpocken schnell abklangen.

In den Folgemonaten kam es mehrmals zu akuten Erkrankungen, die aber keine  Antibiotika-Behandlungen

nötig machten. Nachdem die Impulsivität und Aggressivität schubweise immer wieder auftrat, was vor

allem der Mutter sehr zu schaffen machte, entschloss ich mich zur Verordnung einer anderen Arznei aus dem Tierreich, den Skorpion, in aufsteigender Q-Potenz. Danach wurde Verena’s Stimmung insgesamt viel besser und sie rastete nur noch selten aus. Kurz aufgetretene akute Erkrankungen   liefen ohne Probleme ab. Die  Familiensituation entspannte sich zusehends. Die Arzneigabe läuft nun seit einem Jahr, vor kurzem wurde die C1000 als Zwischengabe verordnet. Gleichzeitig durchläuft Verena ein Legasthenie-und ADHS-Programm. Ritalin

ist inzwischen kein Thema mehr. Die homöopathische Behandlung ist noch nicht abgeschlossen. Es zeigt sich aber auch hier, dass es sich lohnt durchzuhalten.

Renate Krause

Frühlingstr. 29, 82178 Puchheim

www.homoeopathie-krause.de