Artikel aus im Globuli-Magazin  1/2005, www.globuli-magazin.de

 

Hormonersatztherapie vor dem AUS?

 

Jahrzehntelang wurden Östrogene als Standardtherapie bei Frauen in den Wechseljahren  eingesetzt. Nun decken Studienergebnisse gravierende Nebenwirkungen auf.

 

Monat für Monat geschieht Verborgenes im weiblichen Körper. Zu Zeiten der matriarchalischen Kulturen waren die Vorgänge im weiblichen Organismus heilig, die Frau wurde als Göttin oder Heilerin verehrt. Nachdem Kirche, Wissenschaft, Medizin und Philosophie reine Männerdomänen geworden waren,  wurden Themen wie Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre für lange Zeit zum Tabu. Die Frau und die natürlichen Vorgänge in ihrem Körper wurden „unrein“ und als „krankhaft“ angesehen. Erst die Emanzipation der Frau rückt dieses Negativbild wieder allmählich zurecht. FRAU nimmt die allmonatlichen Veränderungen inzwischen als etwas Naturgegebenes hin.

 

Die Wechseljahre auch?

Genaugenommen ist alles ständig im Wechsel  – Panta rhei – alles fließt (Heraklith). Das Klimakterium ist für die Frau nach der Pubertät die zweite große Zeit des hormonellen Wandels. Dies ist nicht selten mit ausgeprägten körperlichen wie auch seelischen Veränderungen verbunden. Was spielt sich hierbei in ihrem Körper ab? Die Eierstöcke reagieren auf die Steuerhormone der Hypophyse nicht mehr so wie bisher. Sie produzieren zunehmend weniger Progesteron, was zur Folge hat, dass der Eisprung immer häufiger und schließlich ganz ausbleibt. Ohne Eisprung wird auch der Gelbkörper, der im normalen Zyklus für die Bildung von Progesteron zuständig ist, nicht mehr gebildet. Deshalb geht auch diese Hormonproduktion immer weiter zurück. Die Regelzyklen verkürzen sich, die Blutungen treten oftmals verstärkt auf. Der Mangel an Progesteron allein führt aber noch nicht zum völligen Wegfall der Menstruation. Erst wenn auch die Östrogenproduktion ausfällt, bleibt die Regelblutung aus.

 

Das Klimakterium kann wie die Pubertät rund zehn Jahre dauern. Im Gegensatz zu früher liegen die Wechseljahre aber jetzt in der Mitte des Lebens. Sie sind für viele Frauen eine Chance, Bilanz zu ziehen, Änderungen, ja oftmals einen Wechsel herbeizuführen. Die Kinder sind meist aus dem Haus, nun kann FRAU sich wieder so richtig um sich selbst kümmern. Vielleicht sind es gerade diese Dinge, die MANN fürchtet? Lange Zeit wurde Frauen glaubhaft gemacht, dass ihnen in den Wechseljahren von Natur aus etwas fehlen würde.

 

„Frau mit Ablaufdatum?“

Und weil MANN unser „Bestes“ will – wurde die Hormonersatztherapie „erfunden“. Sie galt lange Zeit als Allheilmittel gegen alle möglichen Alterserscheinungen. Als „Jungbrunnen“ sollte sie die Knochen härten, die Haut straff halten und das Herz vor Verkalkung schützen. Schnell wurden Östrogene zu Verkaufsschlagern in der zivilisierten Welt. Es entstand ein Markt gigantischen Ausmaßes. Allein in Deutschland nehmen circa 4-5 Millionen (!) Frauen Hormone ein - zur Freude der Pharmafirmen, Apotheken und Ärzte und zum Leidwesen des eh schon belasteten Gesundheitssystems. Denn dass wirksame Medikamente auch unerwünschte Nebenwirkungen haben, ist inzwischen Allgemeinwissen. Die Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie  wurden lange Zeit heruntergespielt. Erst in den letzten Jahren wurde der Ruf nach Studien laut. Die Ergebnisse liegen nun seit 2003 vor und sind in Europa nicht ganz unumstritten.

 

Unbestritten ist, dass die Hormonersatztherapie das Risiko für gefährliche Thrombosen und Embolien ebenso erhöht wie für Erkrankungen der Gallenblase. Am beunruhigendsten aber war, dass Frauen, die Östrogene über mehrere Jahre lang einnahmen, häufiger an Brust- und Gebärmutterschleimhaut-Krebs erkrankten. D.h. die künstlichen Hormone führen auf Kosten der Gesamtgesundheit zu einer Unterdrückung des normalen Alterungsprozesses.

 

Studie abgebrochen!
Nach fünf Jahren Laufzeit wurde die groß angelegte Doppel-Blindstudie der Women´s Health Initiative (USA) im Mai 2002 vorzeitig abgebrochen. Ziel dieser Studie war es, die Vor- und Nachteile der Hormonersatztherapie auszuloten, vor allem das Risiko von Herzkreislauferkrankungen, Brust- und Dickdarmkrebs im Zusammenhang mit der Hormongabe zu analysieren sowie die Auswirkungen auf die Osteoporose zu erforschen. Die Ergebnisse dieser Studie lauten:
 

-          Deutliche Zunahme von Thrombosen/Embolien (um 100%)

-          signifikant häufigeres Auftreten von Brustkrebs (Steigerung um 26% = jede 10. Frau (vorher vermutete man jede 15. Frau), wobei das Risiko mit der Länge des Einnahmezeitraums steigt)

-          Zunahme von Erkrankungen der Gallenblase

-          Zunahme der Häufigkeit von Schlaganfällen (um 31%)

-          Deutliche Erhöhung von Demenzerkrankungen (um 100%)

-          Reduzierung des Auftretens von Darmkrebserkrankungen und

-          deutliche Reduzierung von Schenkelhalsfrakturen

 

Als Risikofaktoren für eine Behandlung mit Hormonersatztherapie gelten: Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Thrombose, Rauchen in der Vorgeschichte, Mammakarzinome und Herzkreislauferkrankungen in der Familienanamnese. Davon betroffenen Patientinnen wird inzwischen offiziell von der Hormonersatztherapie abgeraten.

 

Seit Ende 2003 sind die Risikoangaben auf Anordnung des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in die Packungsbeilagen der entsprechenden Medikamente enthalten. Ferner hält das BfArM den Einsatz einer jahrelangen Hormontherapie zur Vorbeugung von Osteoporose für problematisch und will mit seinen Partnern in der EU zu diesem Punkt eine gemeinsame Bewertung erarbeiten. Es behält sich nationale Maßnahmen diesbezüglich vor.

 

Konsens ist:  Hormone sollten nur bei sehr starken Beschwerden nach Ausschluss der vorhin genannten Risikofaktoren so kurz wie möglich (maximal 1-2 Jahre) und möglichst niedrig dosiert werden.

 
Phytohormone statt synthetischer Hormonersatztherapie?

Als Alternative zur Hormonersatztherapie wird mancherorts die Behandlung mit Phyto-Östrogenen angeboten. Phytohormone sind hormonähnliche Pflanzenstoffe, denen die positiven Effekte von Östrogen zugeschrieben werden. Sie sind in verschiedenen Pflanzen und Nahrungsmitteln enthalten und können die unterschiedlichen Stadien des Klimakteriums beeinflussen. Bei der Auswahl ist zu beachten,  dass zu Beginn der Wechseljahre ein Progesteron-„Mangel“ vorherrscht und der Östrogen-„Mangel“ erst später auftritt. Oft weisen die psychischen Veränderungen auf das Stadium hin. Ein Progesteron-Mangel lässt FRAU eher aggressiv, gereizt und „giftig“ werden. Auf der körperlichen Ebene bestehen oft Gewichtszunahme vor der Menstruation, schmerzende, geschwollene Brüste, Periodenschmerzen, Erschöpfungszustände, Hitzewallungen und Kopfschmerzen. „Progesteronwirksam“ sollen vor allem die wilde Yamswurzel (Wild Yam) und der Mönchspfeffer (Keuschlamm) sein.

 

Steht der Östrogenmangel im Vordergrund, können die  Beschwerden anders aussehen. FRAU wird dann häufig depressiv, weinerlich, sie nimmt vieles „tragisch“. Körperlich kommt es zu trockener Haut und Schleimhäuten, Blutdruckschwankungen, Gewichtszunahme, Schmerzen in den Achselhöhlen, Mittelschmerz beim Eisprung, Durchschlafstörungen, Periodenschmerzen, Hitzewallungen und Kopfschmerzen. Östrogenähnlich sollen vor allem Hopfen, Soja, Salbei und Cimicifuga wirken.

 

Nebenwirkungen wie z.B. allergische Reaktionen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten  können auch bei Phytopharmaka, vor allem bei hoher Dosierung und unkontrolliert langer Einnahme, auftreten. Aus homöopathischer Sicht können Phytopharmaka – langfristig eingenommen – unterdrückend wirken, wenn sie nicht dem gesamten Beschwerdebild der Patientin entsprechend gewählt werden.

 

Die Homöopathie als ganzheitliche Alternative

Belastende Wechseljahresbeschwerden sind mit klassischer Homöopathie gut behandelbar. Mit der zu den Symptomen passenden Arznei kann oft rasch und dauerhaft eine positive Veränderung der körperlichen Beschwerden bewirkt und „quasi nebenbei“ auch noch das seelische Gleichgewicht positiv beeinflusst werden. Dies gilt auch bei anderen hormonellen Störungen (z.B. im Wochenbett, in der Schwangerschaft oder beim prämenstruellen Syndrom).

 

Zahlreiche Arzneien aus dem reichen homöopathischen Arzneimittelschatz (Lachesis, Pulsatilla, Sepia u.a.) haben einen großen Bezug zum weiblichen Hormonsystem. Welche Arznei den gewünschten Erfolg bringt, hängt davon ab, ob die individuellen Symptome dem jeweiligen Arzneimittelbild entsprechen. Aber nicht nur diese Arzneien, sondern auch viele andere können zum Einsatz kommen - immer bestimmt das individuelle Beschwerdebild die Arzneiwahl.

 

Zwei Beispiele aus der Praxis:

Starke Nervosität und Übererregbarkeit

Eine 49-jährige Patientin berichtete von akut aufgetretener starker Nervosität, verbunden mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Sie ist seit Jahren wegen Uterusmyomen und deren Begleitproblemen wie starker Menstruationsblutung in homöopathischer Behandlung. Emotional und energetisch ging es ihr gut. Sie konnte sich die starke Übererregbarkeit, die durch unwichtige private und berufliche Kleinigkeiten ausgelöst oder verstärkt wurde, nicht erklären. Die immer schon sehr aktive und schnell handelnde Patientin steht voll im Berufsleben. Sie ist eher intellektuell als emotional. Bei der körperlichen Untersuchung fiel ein stark schwankender Blutdruck auf. Ferner berichtet sie von Herzklopfen und gehäuft auftretenden Schmerzen in den Achselhöhlen, vor allem vor und während der Menstruation. Bei starker Erregung spürt sie ein Druckgefühl an ihrer Schilddrüse.

 

Nach deutlicher Erstreaktion auf die verordnete Arznei (Blutdruck spielte einen Tag lang komplett „verrückt“) wurde die Patientin wesentlich ruhiger und gelassener, die Schweißausbrüche und Hitzewallungen verschwanden nach kurzer Verschlimmerung ganz. Die seit langem starke Menstruationsblutung pendelte sich nach anfänglicher Zyklusverkürzung wieder auf ein „normales Maß“ ein, ohne dass weitere Beschwerden aufgetaucht sind.

 

Hitzewallungen - vor allem nachts

Die 50-jährige Frau B. ist seit drei Jahren wegen chronischer Migräne in homöopathischer Behandlung. Mütterlicher- und väterlicherseits besteht eine deutliche familiäre Krebsbelastung. Die Patientin ist ausgesprochen harmoniebedürftig. Sie möchte mit jedem gut auskommen und immer den Erwartungen der anderen entsprechen. Sie klagt über ausgeprägte Schlafprobleme - besonders wenn etwas sie beruflich oder privat belastet. Körperlich besteht seit der frühesten Pubertät eine ausgeprägte Akne am Rücken und im Gesicht, und die Neigung zu Herpesbläschen, vor allem an den Lippen. Seit zwei Jahren treten außerdem verstärkt Hitzewallungen auf, vor allem nachts. Dank der wiederholten Gabe der passenden Arznei war die Migräne deutlich zurückgegangen. Die Abstände waren immer größer geworden und die Heftigkeit der Schmerzen geringer. Nach Verordnung der passenden Folgearznei verschwanden die Schlafstörungen ganz und auch die Hitzewallungen sind kein Thema mehr.

 

Renate Schmid

Praxis für Klassische Homöopathie

Frühlingstr. 29

82178 Puchheim

 

Quellen:

www.ffgz.de/hormontherapie.htm

www.br-online.de/umwelt-gesundheit/thema/hormontherapie/whi-studie.xml

www.whi.org

http://www.bfarm.de/de/Presse/mitteil_2003/index.php?pv=&more=0323.php

http://www.phytohormone.ch/phytohormonpflanzen.htm

http://www.heilpflanze.ch/wechseljahre.htm

http://www.stern.de/wissenschaft/gesund_leben/aktuell/?id=524691